Warum Morgenrituale sinnvoll sind

von Theresa Ungerböck

Tipps für neue Gewohnheiten und einen guten Start in den Tag.

Obwohl, oder vielleicht gerade weil, ich nie ein Morgenmensch war, haben mich Morgenrituale schon immer fasziniert. Sowohl Selbsthilfebücher als auch Ayurveda oder wissenschaftliche Veröffentlichungen thematisieren Morgenrituale und zeigen, dass sie positive Effekte auf Leben, Produktivität und Glück haben können. Deshalb an dieser Stelle ein paar Gedanken und Tipps für Frühaufsteher und solche, die es werden wollen.

Sind Rituale wirklich sinnvoll?

Mit unserer Willenskraft ist das so eine Sache. Zahlreiche psychologische Studien haben gezeigt, dass Willenskraft etwas Limitiertes ist, dass wir uns vorstellen können wie eine Batterie. Umso mehr Entscheidungen wir treffen müssen, desto niedriger ist unser Ladestand und eher neigen wir dazu, die Entscheidung zu treffen, die nicht zu unseren Langzeitzielen passt, sondern uns gerade im Moment ein gutes Gefühl verschafft. Wenn wir uns zum Beispiel vornehmen gesund zu essen und nach einem langen Arbeitstag am Weg nach Hause an einer Pizzaria vorbeikommen, ist die Gefahr wesentlich größer, dass wir uns für die “ungesunde” Pizza entscheiden anstatt für den Salat, der im Kühlschrank auf uns wartet. An einem Tag, an dem Du voller Energie von der Yogastunde nach Hause kommst, ist es wesentlich leichter, die gesunde Alternative zu wählen.

Laut diesen Forschungsergebnissen ist also klar, dass die Tätigkeiten, die wir in der Früh gleich als Erstes tun, einen gewissen Einfluss auf unseren gesamten Tag haben. Wer sich in der Früh schon zu allem möglichen zwingen muss, wird später am Tag wesentlich weniger motiviert sein, die gesunden, richtigen aber vielleicht auch anstrengenderen Entscheidungen zu treffen.

Praktische Tipps für die Morgenroutine:

Um eine Gewohnheit, wie frühes Aufstehen und vielleicht Yoga in der Früh, zu manifestieren, gibt es hier nun ein paar praktische Tipps, die unserer Willenskraft helfen:

Genügend Schlaf

Wer superspät schlafen geht kann auch nicht erwarten, dass ihm frühes Aufstehen leicht fällt. Es gibt viele verschiedene Studien, die sagen, wie lange man schlafen sollte. Eine gute Strategie ist es jedoch, es (vielleicht in einer weniger stressigen Zeit) einmal auszuprobieren. Zum Beispiel mit Fragen wie: Wann muss ich schlafen gehen, damit ich von selbst vor meinem Wecker aufwache?

Selbstkontrolle

Ein Plakat, eine Seite im Notizbuch oder ein Kalender auf dem Du täglich ein Kreuzchen oder Häkchen setzten kannst, wenn Du es geschafft haben, eine Gewohnheit durchzuziehen, kann durchaus motivierend sein. Vor allem, wenn Du Dir selbst eine Challenge setzt, z.B. für 30 Tage jeden Tag vor 6 Uhr aufzustehen. Wichtig: die Challenge auch ernst zu nehmen.

Fremdkontrolle

Vielleicht kennst Du ja jemanden der ähnliche Ziele verfolgt wie Du, der Dir dabei helfen kann, Dich zu motivieren. Das kann eine Verabredung zum Yoga oder zum Laufen sein, oder jemand, mit dem Du einmal die Woche telefonierst und darüber sprichst, ob Du erreicht hast was Du wolltest. Gemeinsam erreicht man mehr.

Implementation Intentions

Ein kompliziertes englisches Wort, dass darauf abzielt, dass wir uns gezielte Szenarien überlegen, in denen unsere Willenskraft besonders gefordert ist. So eine Implementation Intention könnte hierfür zum Beispiel lauten: “Wenn morgen Früh mein Wecker läutet und ich in Versuchung bin, den Snoozebutton zu drücken, springe ich sofort auf, schalte das Radio ein und trinke ein Glas Wasser!” Wichtig ist, dass Du Dir überlegst, welche Situationen Dich herausfordern könnten und mit Hilfe von WENN-DANN Sätzen, Lösungen für diese Situationen zu finden.

Sozialisationsfalle

Wir neigen manchmal dazu, uns Dinge vorzunehmen und sie dann, wenn das Telefon läutet und jemand fragt, ob wir Zeit für dieses oder jenes haben, ebenso schnell wieder zu verwerfen. Wenn Du also ernsthaft eine neue Gewohnheit entwickeln willst, nimm Dich davor in Acht, jedes Angebote sofort anzunehmen. Wenn Du etwas in Deinen Kalender eingetragen hast, dass Du Dir vorgenommen hast, dann behandle es wie einen Termin mit einem wichtigen Kunden oder einem Chef.

Falls Du Interesse an dem Thema gefunden hast und Dich mehr mit der wissenschaftlichen Seite von Prokrastination, Willenskraft und Habits auseinander setzten willst, dann schau Dir doch mal folgende Links an:

Roy Baumeister - Willpower

Martin Seligman - The Science of Happiness

Timothy Pychyl - Procrastination

 

Giulia Tamiazzo