Yoga & die Werbung

von Theresa Ungerböck

Foto: Unsplash

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Yoga ist mehr als schlanke Frauen in schönen Posen.

Wenn man vom Westbahnhof die Rolltreppe runter Richtung U-Bahn nimmt, sieht man dort ein Werbeplakat von einer sportlichen, schlanken Dame in Scorpion-Pose. Wer sich jetzt fragt, was der Scorpion ist: Stell Dir vor, Du balancierst auf Deinen Unterarmen mit den Beinen Richtung Decke, bringst Du Deine Füße dann noch runter Richtung Kopf. Dein Rücken kommt in eine super schöne, tiefe Backbend. Ungefähr so. Das ist übrigens auch die Pose aus der Vöslauerwerbung

Bilder wie diese sind den meisten von uns aus Social Media und Co.  nicht fremd.

Es sind fast immer weiße, junge, schlanke Frauen, die sich in den kompliziertesten Positionen auf Instagram, Facebook und im Fernsehen herumtreiben. Für mich sind diese Bilder manchmal eine neue Inspiration bzw. Motivation, um neues auszuprobieren und an schwierigen Posen zu arbeiten. Manchmal geben sie mir aber auch ein Gefühl von Nicht-genug-sein. Nicht schön genug, nicht schlank genug, nicht gelenkig genug bzw. nicht stark genug. Ich gehe davon aus, dass es nicht nur mir so geht und vielleicht ist auch gerade dieser Medienauftritt des Yoga der heutigen Zeit der Grund, warum viele Leute erst gar nicht zum Yoga kommen. Weil sie eben das Gefühl haben nicht genug zu sein. Falls Dich das Thema Yoga und Bodyimage interessierst, komm zu unserem RE:READ Event am 11. März ab 16:00

Yoga kann so viel mehr sein

Yoga heißt nicht, dass man sich auf der Matte quälen muss und sich in irgendwelche halsbrecherischen Positionen begeben muss. Yoga kann ganz viele verschiedenen Ausprägungen haben und muss nicht einmal auf der Matte stattfinden. Keiner muss sich körperlich herausfordern, um Yoga zu praktizieren. Ich bin der festen Überzeugung, dass jeder Mensch seine eigene Variante von Yoga finden kann und dass jede_r TeilnehmerIn einer Yogaklasse das aus dem Yoga herausholen kann, was er oder sie gerade braucht. 

Am Beginn meiner Yogaklassen bitte ich meine SchülerInnen oft darum sich zu überlegen, welches Gefühl sie aus der heutigen Praxis mitnehmen wollen. Dies ist eine Frage, die ich mir auch selbst oft stelle, bevor ich auf die Matte steige. Ich bin davon überzeugt, dass man aus jeder Yogaklasse, das herausholen kann, was man selbst eben gerade braucht. Zum Beispiel, kann ein Lunge (also ein großes Ausfallschritt) eine kräftigenden Übung sein, wenn man dabei die Beine ganz bewusst anspannt und die Beine zusammenzieht. Es kann aber auch eine Übung sein, die einen flexibler werden lässt, wenn ma sich tief in die Hüfte setzt und versucht das hintere Bein zu strecken. Oder der Lunge ist eine Übung, die innere Ruhe und Entspannung gibt, indem man sich ganz bewusst auf die Atmung konzentriert und die Aufmerksamkeit nach Innen wendet. Wie mit dieser Position, funktioniert das auch so gut wie mit jeder anderen. 

Warum ich trotzdem gerne auf meinen Händen stehe?

Foto: Theresa Ungerböck

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Ja, auch ich mache gerne Inversions (Umkehrhaltungen) und Armbalances und ja, auch ich freu mich, wenn es funktioniert und ich ein nettes Foto davon machen kann. ABER, worum es dabei wirklich geht, ist: wie sich die Position anfühlt. Das Balancieren auf meinen Armen gibt mir eine gewisses Gefühl von Freiheit, ein Gefühl etwas tun und schaffen zu können, was ich vor einiger Zeit nicht für möglich gehalten hätte. Das ist auch der Grund warum ich den TeilnehmerInnen meiner Yogaklassen gerne die Chance gebe, etwas neues und vielleicht auf den ersten Blick kompliziertes auszuprobieren. Jede_r kann neue aufregende Positionen erlernen oder auch aus altbekannten Positionen etwas neues rausholen.  

Falls Du Lust bekommen hast, ein bisschen mit den Grenzen deiner Gewohnten Yogapraxis zu spielen, dann komm doch mal zu meiner neuen RE:VIVE (1-2) Stunde am Sonntag von 11:00-12:00 Uhr. Und wenn du noch nicht überzeugt bist, dann schau dir doch mal die folgenden Videos an: 

First Time Yoga with Dana Falsetti.

Yoga teacher at 96

Jessamyn Stanley - Body stories

Giulia Tamiazzo